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Die
Königskerze
(Verbascum
densiflorum= Große Königskerze
Verbascum thapsiforme
= Kleine Königskerze)
.
Fam.
Scrophulariaceae, Braunwurzgewächse
Mit
ihren schönen fackelartigen Blütenständen und ihrer hohen, aufrechten
Wuchsform ist die Pflanze sehr auffällig. Sie steht gerne auf sonnigen
und relativ trockenen Standorten, wobei die große Königskerze bis zu
2,5 m hoch werden kann. Man findet sie auf Ödland, Böschungen,
Wegrändern aber auch auf Waldlichtungen.
Volksnamen:
Fackelkraut,
Filzige Wollblume, Hummelbrand, Marienkerze, Unholdkerze, Wollblume,
Wetterkerze,
Beschreibung:
Die
Pflanze ist zweijährig. Im ersten Jahr erscheinen nur die Blattrosetten
mit den derben stark behaarten Blättern. Die Blätter fühlen sich
samtig weich an, wenn man darüber streicht. Im zweiten Jahr wachsen die
die
wollig behaarten Stängel gegen Himmel und die leuchtend gelben Blüten
blühen nach und
nach auf. Die Blütenkerzen der stattlichen Pflanze sind weithin
sichtbar und strahlen in einem freundlichen warmen Gelb. Die Blüten
duften zart und ihre Staubblätter tragen orangefarbenen Blütenstaub,
der hübsch zum Goldgelb der Blüten kontrastiert.
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Verwendete
Pflanzenteile:
Blüten,
Wurzel, junge Blätter (als Wildgemüse)
Sammelzeit:
Die voll entfalteten Blüten
ohne Kelch werden im Juli und August gesammelt. Sie sind empfindlich und
schimmeln leicht. Daher sollte
man sie nur an trockenen Tagen, sobald der Tau abgetrocknet ist sammeln.
Inhaltsstoffe:
ätherische
Öle, Flavonoide, Saponine und Schleimstoffe
Brauchtum,
rituelle Verwendung:
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Der
Name Königskerze hat eine praktische Bedeutung,
denn die Stängel wurden in Wachs, Öl, Harz oder Pech getaucht und
als Fackel gebraucht. Dass sie für diese Zwecke viel verwendet
wurde, zeigt auch der Name Herba lucernaria - Lampenkraut. Bei
keltischen Sonnwendfesten soll die entzündete Königskerze für
Fackelumzüge verwendet worden sein.
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In
alten Zeiten schätzten die Menschen den Pflanzengeist der Königskerze
als Nothelfer, denn die Königskerze ist eine alte Zauberpflanze.
Man verwendete sie in unterschiedlicher Weise als Schutzpflanze. Ihr
Volksname "Unholdpflanze" bezieht sich auf diesen Brauch.
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Für
Amulette sammelt man nach einer detaillierten Anweisung aus dem
17. Jh. die Wurzel
zwischen dem 15. August und dem 8. September (naturmagische Zeit des
"Frauendreißigers") und zwar am letzen Freitag im abnehmenden
Mond. Die Wurzel wird an einem schattigen Ort getrocknet in Blattgold
eingewickelt. Als Amulett stärkt sie den Körper und hält negative
Energien fern, gleichzeitig wurde sie auch zur Empfängnisverhütung
verwendet. (".. denen Weibsbildern aber tauget sie nicht - dann sie
verhindert die Emphängnüs / als lang man sie träget / wann man sie
aber hinweg thut / so kan man schon empfangen" Johann Schröder aus
dem "Höchstkostbarem Arzneyschatz").
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In
der Medizin der Gallier findet man ebenfalls Rezepte zur
Verwendung der Königskerze:
Gegen
Gicht zerrieb man die Pflanze mit Kreide, kochte sie im Kühlwasser der
Schmiede, badete die Füße im Sud und schüttete diesen in ein Loch in
der Erde. Die Krankheit sollte verschwinden, sobald das Kraut verfault
war.
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Odysseus
soll Königskerze eingenommen
haben, um sich vor der Zauberin Circe zu schützen, die die Pflanze bei
ihren magischen Ritualen verwendete.
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Die
Nordamerikanischen Indianer rauchten die getrockneten Blätter
zusammen mit anderen Heilpflanzen gegen Asthma, Bronchitis und anderen
Lungenproblemen.
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Eine
Vermischung von alpenschamanischem Ritual und christlichem Brauchtum ist
die Kräuterweihe zu Maria Himmelfahrt. Im Neunerbüschel bildete
die Königskerze das Zentrum und spielt somit eine dominierende Rolle - wie es sich
für diese königliche Sonnenpflanze gehört. Die Wurzeln dieses
Brauches gehen weit in der Zeit bis zu den Urmysterien der Menschheit
zurück. Dass es sich ursprünglich um ein bewusst magisches Ritual
gehandelt haben mag, zeigt uns die genauen Vorschriften über die Anzahl
der verwendeten Pflanzen im Kräuterbuschen. Es sind 9, 15, 77 oder 99 Kräuter, die im verwendet
werden. Es dürfen auch nicht irgendwelche Pflanzen genommen werden,
sondern es sind meist alte Zauberpflanzen, die vorwiegend als Abwehr-
und Gegenzauber verwendet wurden, darunter auch viele, die zum Wettermachen
benutzt wurden. Die angeführten Zahlen sind alte magische Zahlen, deren rituelle Verwendung uns bis in Zeiten der
Babylonier und Assyrer zurückführt. Die Anordnung der Kräuter um das
Zentrum erfolgt nach der astrologischen Planetensignaturenlehre.
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In
alpenschamanischer Sicht stand die Königskerze mit dem Jenseits in
Verbindung. Vielleicht leiten sich die späteren Bräuche im
Alpenraum davon ab: Mägde hängten sich je eine Pflanze über das Bett,
diejenige , deren Kraut als Erstes verwelkte, sollte als Erste "ins
Jenseits übergehen".
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Weiters
ist die Königskerze eine alte Wetterpflanze. Sie soll vor
Gewitter schützen. Manche Bauern lassen heute noch Königskerzen vor
ihrem Haus stehen, um den Blitz vom Hof abzuhalten. Auch vom geweihten
Kräuterbuschen wird mancherorts noch bei anziehendem Gewitter am Herd
geräuchert.
Ein
christlicher Brauch ist die Anrufung der Gottesmutter, die in der
christlichen Mythologie eine Königskerze als Zepter in der Hand hält.
Als "Himmelsbrand" wie die Pflanze auch genannt
wird, segnet Maria damit das Land. "Unsere liebe Frau geht über
das Land, Sie trägt den Himmelsbrand in ihrer Hand."
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Hildegard
von Bingen empfiehlt Menschen, die ein trauriges und schwaches Herz
haben Königskerze zusammen mit Fleisch und Fisch zu kochen "dann
wird das Herz kräftig und wieder freudig werden". Nach Hildegard
war der Absud der Königskerze auch speziell bei Heiserkeit angezeigt.
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Königskerzensamen
wirken sedierend und sollen früher von Wilderern dazu verwendet worden
sein Fische zu betäuben. Die in den Samen enthaltenen Saponine
wirken leicht betäubend auf Fische und erleichtern "die
Jagd".
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Weiters
wurde die Königskerze als Färberpflanze verwendet. Es heißt
dass sich die Römerinnen mit einem mit Lauge vermischten
Königskerzenaufguss die Haare blondierten. Auch heute kann man die
Blüten als Naturfärbemittel für Naturfasern und Wolle verwenden. Je nach Säuregrad der
Färbelösung erzielt man Farben von Hellgelb über Grün bis Braun.
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Hausmittel,
Kräuterküche:
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Die
Pflanze hat die Eigenschaft allgemein zu stärken, zu kühlen, zu
beruhigen und wirkt auswurffördernd, reizlindernd und
entzündungshemmend. Königskerze kühlt und befeuchtet die warme und
trockene Lunge und verflüssigt den Schleim. Die Blüten sind
Bestandteil von "Brusttees". Bei der Verwendung des
Königskerzentees sollte man die feinen Härchen abfiltern, sie können
die Schleimhäute reizen. Die zerdrückten Blätter äußerlich
angewendet unterstützen die Durchblutung und helfen bei der
Wundheilung. Die Blüten färben Tees und Sirupe. In der Kräuterküche
sind die Blüten weiters als Suppeneinlage und als Dekoration zu verwenden.
Die jungen Blätter werden gerne gebraten oder in Wein- oder Bierteig
herausgebacken.
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Planetenzuordnung:
Sonne (mit Merkur und Jupiter)
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Energetische
Wirkung:
Die
Königskerze zieht empor und wird dem Stirnchakra zugeordnet. Es ist die
höhere Oktav des Solarplexus, entspricht dem höheren Willen und ist
ein Empfangszentrum verfeinerter Art. Zur Förderung dieser Qualitäten
in uns, kann Königskerzentee getrunken werden (ein gehäufter EL auf
eine Tasse heißes Wasser). Königkerze öffnet für höhere Impulse,
fördert das Traumleben und Astralreisen. Dazu räuchert man die Pflanze
(Achtung - starke Rauchentwicklung) oder füllt ein Kissen mit
getrockneter Königskerze (Blüten und Blätter) sowie
Beifußkraut.
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Literaturverzeichnis:
Elisabeth
Brooke: Kräuter helfen heilen
Steffen
Guido Fleischhauer et al: Essbare Wildpflanzen
Susanne
Fischer-Rizzi: Medizin der Erde
Margot
Fischer: Enzyklopädie der Wildpflanzen
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G.C.Altmann / aktualisiert 08/2009 |